PATIENTENINFORMATION
Vergrößerte Rachenmandel (Adenoide) bei Kindern
Die Rachenmandel (Adenoide) ist lymphatisches Gewebe im Nasenrachen, hinter der Nase. Im Kindesalter wächst sie naturgemäß und bildet sich nach dem Schuleintritt meist wieder zurück. Bei manchen Kindern engt ihre Größe den Luftweg der Nase und die Mündung der Ohrtrompete ein und beeinträchtigt so die Nasenatmung, den Schlaf und die Belüftung des Mittelohrs. Diese Seite erklärt, was eine vergrößerte Rachenmandel bedeutet, welche Beschwerden auftreten, was in der HNO-Abklärung geschieht und welche allgemeinen Grundsätze für das weitere Vorgehen gelten.
Was ist die Rachenmandel?
Die Rachenmandel, medizinisch Adenoide oder adenoide Vegetationen, ist lymphatisches Gewebe im Nasenrachen, also im oberen Rachenraum hinter der Nasenhöhle. Gemeinsam mit den Gaumenmandeln gehört sie zum Abwehrgewebe der oberen Atemwege und ist bei jedem Kind vorhanden.
Umgangssprachlich wird die vergrößerte Rachenmandel bei Kindern oft „Polypen" genannt; damit sind jedoch nicht die Nasenpolypen gemeint, also gutartige Wucherungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen, die vor allem Erwachsene betreffen und ein anderes Krankheitsbild darstellen.
Das Gewebe wächst in den ersten Lebensjahren unter dem Einfluss wiederholter Atemwegsinfekte, erreicht meist zwischen etwa zwei und sechs Jahren seine größte Ausdehnung und bildet sich ab dem Schulalter zurück. Das Problem ist nicht das Vorhandensein des Gewebes, sondern eine Größe, die den Luftweg im Nasenrachen deutlich einengt.
Die Rachenmandel liegt neben der Mündung der Ohrtrompete im Nasenrachen. Ihre Vergrößerung kann deshalb nicht nur die Nasenatmung, sondern auch die Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigen; wiederkehrende Ohrprobleme und ein Paukenerguss sind häufige Folgen dieses Zusammenhangs.
Häufige Beschwerden
Die Beschwerden ergeben sich aus der Einengung des Luftwegs und aus der Beeinträchtigung benachbarter Strukturen:
- Behinderte Nasenatmung und ständige Mundatmung
- Schnarchen, unruhiger Schlaf, Schlafen mit offenem Mund
- Näselnde Sprache (verlegt klingende Stimme)
- Anhaltendes Nasensekret und Sekretfluss in den Rachen
- Wiederkehrende Mittelohrprobleme, Flüssigkeit im Mittelohr und die daraus folgende Hörminderung
- Trockener Mund und Mundgeruch durch die lang bestehende Mundatmung
Diese Beschwerden können auch durch eine allergische Rhinitis, strukturelle Engstellen in der Nase und häufige Infekte entstehen, und mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen. Ziel der Abklärung ist festzustellen, in welchem Umfang sich die Beschwerden durch die Größe der Rachenmandel erklären lassen.
Was geschieht in der HNO-Abklärung?
Die Abklärung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese: wie die Nasenatmung bei Tag und bei Nacht ist, Schnarchen und Atmung im Schlaf, seit wann die Mundatmung besteht, wiederkehrende Ohr- und Atemwegsinfekte, Hör- und Sprachentwicklung, allergische Beschwerden sowie Auswirkungen auf Schule und Essen.
In der Untersuchung werden Nase und Mundhöhle betrachtet; die Trommelfelle werden mit dem Otoskop beurteilt und bei Bedarf wird die Belüftung des Mittelohrs mit einer Tympanometrie gemessen. Bei Kindern, die seit Langem durch den Mund atmen, wird auch auf Veränderungen der Gesichts- und Kieferentwicklung geachtet.
Der Nasenrachen wird durch eine endoskopische Untersuchung mit einer dünnen, flexiblen Optik über die Nase direkt eingesehen (Nasopharyngoskopie); sie zeigt die Größe der Rachenmandel und das Ausmaß der Einengung und ist heute das maßgebliche Verfahren. In manchen Situationen kann zusätzlich eine Bildgebung wie eine seitliche Röntgenaufnahme eingesetzt werden; welches Verfahren gewählt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Alter des Kindes und Untersuchungsbefund.
Weisen Befunde darauf hin, dass die Atmung im Schlaf beeinträchtigt ist, ist die Beurteilung schlafbezogener Atemstörungen ein eigenes Thema und wird bei Bedarf gemeinsam mit den beteiligten Fachgebieten bearbeitet.
Grundsätze des weiteren Vorgehens
Das Vorgehen richtet sich nach Schwere und Dauer der Beschwerden, nach begleitenden Ohr- und Schlafproblemen und nach dem Alter des Kindes.
Bei leichten und zeitweisen Beschwerden kann Beobachtung angemessen sein, da sich das Bild mit seltener werdenden Infekten bessern kann und sich die Rachenmandel mit dem Alter zurückbildet. Liegt zusätzlich eine allergische Rhinitis oder ein anderer entzündlicher Prozess der Nasenschleimhaut vor, kann dessen Behandlung die Nasenatmung deutlich erleichtern.
Sind die Beschwerden ausgeprägt oder bestehen sie trotz angemessenen medizinischen Vorgehens fort, kann eine operative Möglichkeit erwogen werden; Leitlinien empfehlen, diese Entscheidung individuell anhand der Beschwerden, der Untersuchungsbefunde und der Begleitprobleme zu treffen. Bei Kindern mit zusätzlichem Paukenerguss wird die Entfernung der Rachenmandel gesondert im Rahmen der Entscheidung über die Ohrbehandlung beurteilt. Diese Seite vergleicht keine Operationsverfahren und ist keine Darstellung eines Eingriffs; ob eine Operation nötig ist, welcher Nutzen zu erwarten ist und welche Risiken bestehen, wird nach der Untersuchung ärztlich besprochen.
Es ist bekannt, dass Rachenmandelgewebe nach einer Entfernung teilweise nachwachsen kann; die Verlaufskontrolle gehört deshalb zum Vorgehen. Diese Seite enthält bewusst keine Medikamentennamen, Dosierungen oder Behandlungsdauern.
Abgrenzung zu Gaumenmandeln und den Strukturen im Naseninneren
Die Rachenmandel liegt im Nasenrachen hinter der Nase und ist bei geöffnetem Mund nicht sichtbar; sie lässt sich jedoch endoskopisch beurteilen. Die Gaumenmandeln sind davon getrennte Strukturen, die bei geöffnetem Mund seitlich des Zäpfchens sichtbar sind; ihre Vergrößerung und Entzündung sind ein eigenes Thema.
Die Nasenmuscheln im Naseninneren und die Nasenscheidewand sind wiederum andere Strukturen; ihre Vergrößerung oder Verkrümmung sind weitere Ursachen einer behinderten Nasenatmung. Nasenpolypen schließlich sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen, die überwiegend Erwachsene betreffen, und haben mit der Rachenmandel des Kindes nichts zu tun. Welche Struktur verantwortlich ist, klärt die Untersuchung.
Häufige Fragen
Hat jedes Kind eine Rachenmandel?
Ja. Die Rachenmandel ist bei jedem Kind vorhandenes, normales Gewebe und beteiligt sich an der Abwehr der oberen Atemwege. Abzuklären ist nicht ihr Vorhandensein, sondern eine Größe, die Nasenatmung, Schlaf oder Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigt.
Bildet sich eine vergrößerte Rachenmandel von selbst zurück?
Die Rachenmandel bildet sich meist ab dem Schulalter zurück; deshalb kann bei leichten Beschwerden Beobachtung angemessen sein. Sind die Beschwerden ausgeprägt oder kommen Schlaf- und Ohrprobleme hinzu, sollte mit der Abklärung nicht auf diese Rückbildung gewartet werden.
Ist eine Operation immer notwendig?
Nein. Die Entscheidung wird individuell getroffen, anhand von Schwere und Dauer der Beschwerden, der Untersuchungsbefunde und begleitender Ohr- oder Schlafprobleme. Bei vielen Kindern genügen Beobachtung und die Behandlung begleitender Erkrankungen. Ob eine Operation angezeigt ist, welcher Nutzen zu erwarten ist und welche Risiken bestehen, wird nach der Untersuchung ärztlich besprochen.
Ist das dasselbe wie die Schleimhautwucherungen in der Nase bei Erwachsenen?
Nein. Umgangssprachlich wird die vergrößerte Rachenmandel bei Kindern häufig „Polypen" genannt, doch damit sind nicht die Nasenpolypen gemeint: Diese gutartigen Schleimhautwucherungen in Nase und Nasennebenhöhlen betreffen überwiegend Erwachsene und stellen ein anderes Krankheitsbild dar.