PATIENTENINFORMATION

Tinnitus (Ohrgeräusche)

Tinnitus ist die Wahrnehmung eines Klingelns, Pfeifens, Brummens oder ähnlichen Geräuschs im Ohr oder im Kopf, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Er ist eine häufige Beschwerde und hängt meist mit einer Veränderung des Hörsystems zusammen; in den meisten Fällen ist er kein Zeichen einer ernsten Erkrankung. Diese Seite erklärt, was Tinnitus bedeutet, welche Formen genauer abgeklärt werden sollten, was in der HNO-Untersuchung und im Hörtest geschieht und die Grundsätze der Behandlung.

Medizinische Illustration von Ohr und Hörbahn mit konzentrischen Schallringen

Was ist Tinnitus?

Tinnitus ist ein Geräusch, das ohne einen Schall von außen wahrgenommen wird. Betroffene beschreiben es als Klingeln, Brummen, Summen, Pfeifen oder Klicken; das Geräusch kann dauerhaft oder zeitweise auftreten und ein oder beide Ohren betreffen. Tinnitus ist eine individuelle Wahrnehmung und für andere nicht hörbar; nur selten gibt es Formen, bei denen ein von einem Blutgefäß oder Muskel nahe dem Ohr ausgehendes Geräusch auch von außen zu hören ist.

Tinnitus ist ein Symptom, nicht der Name einer Krankheit. Am häufigsten begleitet er einen Hörverlust: In den Frequenzen, in denen die Schallwahrnehmung im Innenohr vermindert ist, kann die Eigenaktivität des Hörsystems als Tinnitus wahrgenommen werden. Lärmbelastung, altersbedingte Hörveränderungen, ein Ohrenschmalzpfropf oder Mittelohrprobleme, manche Medikamente, Probleme des Kiefergelenks und der Nackenmuskulatur sowie Stress und Schlafstörungen können einen Tinnitus auslösen oder verstärken.

Klinisch wichtige Unterscheidungen

Mehrere Unterscheidungen sind für die Abklärung wegweisend:

  • Dauer: Ein Tinnitus, der kürzer als sechs Monate besteht, gilt als neu aufgetreten, ein länger bestehender als anhaltend; Leitlinien nutzen diese Unterscheidung für die Behandlungsplanung.
  • Seite: Ein beidseitiger Tinnitus hängt eher mit allgemeinen Hörveränderungen zusammen; bei einseitigem Tinnitus werden Ursachen im Bereich des Hörnervs und des Innenohrs genauer abgeklärt.
  • Art: Ein dauerhaftes, tonales Geräusch und ein pulssynchron pochendes Geräusch weisen auf unterschiedliche Ursachen hin; ein pulssynchroner Tinnitus erfordert die Abklärung gefäßbedingter Ursachen.
  • Belastung: Wie stark der Tinnitus Schlaf, Konzentration und Alltag beeinträchtigt, ist einer der wichtigsten Faktoren für den Behandlungsplan; ein belastender Tinnitus und ein zwar bemerkter, aber nicht belastender Tinnitus erfordern unterschiedliche Ansätze.

Was geschieht in der HNO-Abklärung?

Die Abklärung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese: Beginn, Art und Seite des Tinnitus, ob er dauerhaft oder zeitweise auftritt, begleitende Hörveränderungen, Druckgefühl im Ohr, Schwindel, Lärmbelastung, eingenommene Medikamente, Schlaf und allgemeiner Gesundheitszustand.

In der Untersuchung werden Gehörgang und Trommelfell mit dem Otoskop betrachtet; behebbare Ursachen wie ein Ohrenschmalzpfropf, Flüssigkeit im Mittelohr oder Trommelfellprobleme können dabei sichtbar werden. Je nach Bild werden auch Kopf und Hals sowie bei Bedarf Kiefergelenk und Nacken untersucht.

Der Hörtest (Audiometrie) ist die grundlegende Untersuchung bei Tinnitus; Leitlinien empfehlen einen Hörtest bei einseitigem, anhaltendem oder mit Hörbeschwerden verbundenem Tinnitus. Werden ein einseitiger Tinnitus, ein einseitiger oder zwischen beiden Ohren unterschiedlicher Hörverlust oder ein pulssynchroner Tinnitus festgestellt, kann eine Bildgebung zur Beurteilung der Hörbahn und der Blutgefäße in Betracht kommen. Ohne diese Merkmale empfehlen die Leitlinien keine routinemäßige Bildgebung.

Behandlungs- und Betreuungsansätze

Eine einzige Behandlung des Tinnitus gibt es nicht; das Vorgehen richtet sich nach der festgestellten Ursache und danach, wie stark der Tinnitus die Betroffenen beeinträchtigt. Wird eine behebbare Ursache gefunden (zum Beispiel ein Ohrenschmalzpfropf oder Flüssigkeit im Mittelohr), hat deren Behandlung Vorrang.

Information und Beratung darüber, was Tinnitus ist und wie er bewältigt werden kann, sind die Grundlage der Betreuung. Liegt ein klinisch relevanter Hörverlust vor, ist eine Hörgeräteabklärung angemessen; Leitlinien sehen darin einen Grund, eine Hörgeräteversorgung zu prüfen. Bei der Belastung durch anhaltenden, störenden Tinnitus können die kognitive Verhaltenstherapie und andere leitliniengestützte, auf den Tinnitus bezogene psychologische Ansätze helfen. Ansätze zur Klanganreicherung oder Klangtherapie können in einzelnen Behandlungsplänen erwogen werden; die Empfehlungen und die Evidenz dafür sind jedoch weniger einheitlich und haben nicht dieselbe Empfehlungsstärke wie die kognitive Verhaltenstherapie (die NICE-Leitlinie hält fest, dass die Evidenz für eine Praxisempfehlung zur Klangtherapie nicht ausreichte).

Leitlinien empfehlen keine routinemäßige Anwendung von Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Produkten mit dem Ziel, den Tinnitus selbst zu beseitigen; für einen Nutzen dieser Produkte gibt es keine ausreichenden Belege. Die Behandlung von Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Ängsten und gedrückter Stimmung hat dagegen einen wichtigen Anteil an der Verringerung der Belastung durch den Tinnitus.

Bei vielen Menschen wird der Tinnitus mit der Zeit weniger wahrgenommen. Das bedeutet nicht, dass er immer vollständig verschwindet; Ziel der Behandlung ist es, die Auswirkung des Tinnitus auf den Alltag zu verringern. Diese Seite enthält bewusst keine Medikamentennamen oder Dosierungen.

Häufige Fragen

Ist Tinnitus ein Zeichen einer gefährlichen Erkrankung?

Meist nicht; Tinnitus hängt am häufigsten mit Hörveränderungen zusammen. Merkmale wie einseitiger Tinnitus, pulssynchroner Tinnitus und Tinnitus mit plötzlicher Hörminderung erfordern jedoch ein Vorziehen der Abklärung, damit die zugrunde liegende Ursache untersucht werden kann.

Verschwindet Tinnitus vollständig?

Wird eine behebbare Ursache gefunden, kann sich der Tinnitus vollständig zurückbilden. In den übrigen Fällen nehmen die meisten Betroffenen den Tinnitus mit der Zeit weniger wahr; Ziel der Behandlungsansätze ist es, seine Auswirkung zu verringern. Ein Versprechen einer dauerhaften Heilung wäre medizinisch nicht korrekt.

Sollte ich Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gegen Tinnitus einnehmen?

Leitlinien empfehlen keine routinemäßige Anwendung von Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Produkten gegen den Tinnitus selbst; ein Nutzen dieser Produkte ist nicht belegt. Die Behandlung von Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen oder Ängsten kann nach ärztlicher Abklärung geplant werden.

Ist bei jedem Tinnitus eine MRT nötig?

Nein. Eine Bildgebung wird erwogen, wenn Befunde wie einseitiger Tinnitus, ein zwischen beiden Ohren unterschiedlicher Hörverlust, pulssynchroner Tinnitus oder begleitende Symptome des Nervensystems vorliegen. Ohne diese Merkmale wird keine routinemäßige Bildgebung empfohlen.

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